Islandklang „Die Sound DNA einer Insel – auf der Suche nach dem Klang Islands“
Über mich und das Projekt
Recht unscheinbar liegt Island hoch im Norden. Bekannt ist das Land eigentlich nur für seine Natur und Landschaft. Kaum zu glauben, dass in den letzten Jahren immer mehr Bands aus Island bei uns in den Charts sind. Beispielsweise Of Monsters and Men, Kaleo und die Sängerin Björk.
Diese Homepage dreht sich rund um die Musik in Island. Du kannst Musik aus Island entdecken, Artikel zu Themen, die Menschen und Musiker in Island beschäftigen, lesen und falls du mal Lust haben solltest, selber nach Island zu fahren, um hautnah die Musik zu erleben, findest du hier eine Auswahl der Festivals in Island.
Ich war im April/Mai 2019 für drei Wochen in Island unterwegs. Meine Mission: Herausfinden, wie in Island Musik gemacht wird, vor welchen Herausforderungen Musiker stehen, in einem Land mit so kleiner Bevölkerung Musik zu machen und ob die Natur und das Wetter einen Einfluss auf die Musik und das musikalische Schaffen hat. Das Ergebnis: ein 25-minütiger Film über meine Suche nach dem Klang Islands.
Der Film, der Radiobeitrag (Den findest du durch den Punkt bei Siglufjördur) und die Homepage sind mein Masterabschlussprojekt vom Studiengang Musikjournalismus im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk an der Hochschule für Musik und Theater in München.
Ich heiße Nora und wünsche dir viel Spaß bei deiner Entdeckungsreise auf meiner Homepage.
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Thorbjörg Daphne Hall Die Spalte zwischen Benefit und Distanz
Jóngunnar Biering Margeirsson Die Freiheit der Einöde
Kristján Freyr Im Norden spielt die Musik
Svavar Knútur Die Dunkelheit der isländischen Vergangenheit
Im Norden spielt die Musik
Es ist gefühlt der nordwestlichste Zipfel von Island, an dem nun seit 15 Jahren immer an Ostern das zweitägige Festival „Aldrei for eg sudur“ stattfindet. Die Westfjorde und somit auch die Stadt Isafjördur sind fern ab von Schuss der meisten Touristen, die einmal die Ringstraße entlang fahren. Das Festival ist benannt nach dem gleichnamigen Song des Sängers Bubbi Morthen. Übersetzt bedeutet er: „Ich war noch niemals im Süden“. Vor 15 Jahren war es eine spinnige Idee ein paar berühmte Musiker zu fragen, ob sie nicht Lust hätten bei einem Konzert im Norden zu spielen, erklärt Kristján Freyr, Organisator des Festivals. Die damals verrückte Idee, hat sich als etabliertes Festival in Island entwickelt. Mittlerweile sind insgesamt circa 350 Bands dort aufgetreten. Die Musik ist komplett durchgemischt. Die verschiedenen Stilrichtungen stehen gleichberechtigt auf der Bühne, jede Gruppe erhält gleich viel Zeit für ihren Auftritt, egal ob Schülerband oder europaweit bekannt.
Die Schülerband Blödmör haben einen Wettbewerb gewonnen und dürfen so in diesem Jahr das Festival eröffnen. Die drei Jungs machen Metal. Alle drei haben sie klischeehaft lange Haare. Während sie auf der Bühne ihre Instrumente bearbeiten und mit dem Gesang und Geschrei die Technik herausfordern, halten sich im Publikum manche Menschen die Ohren zu.
Verrückt geht es bei dem Sänger Berndsen zu. Er macht eine Mischung aus elektronischer Musik, Pop und HipHop.
Am zweiten Tag gibt die Sängerin Salome Katrin ihr Debütkonzert. Sie kommt aus Isafjördur. Sie singt mit zarter Stimme melancholische, ruhige und rhythmische, flottere Popsongs. Begleitet wird sie von Geige, Gitarre, Bass, Klavier und Synthesizer.
Die Sängerin Svala trägt neongelbe Hosen und dazu ein Pinkes T-Shirt. Ihre Musik erinnert an die von Rita Ora und Ariana Grande.
Die Ansagen werden von einem Mann gemacht, der bei manchen Künstlern ein Wikinger Schwert und Schild in den Händen trägt und seinen Text mit kratziger, tiefer Stimme ins Mikrofon brüllt.
Das Festival findet in einer kleinen Scheune am Hafen von Isafjördur statt. Der Vorplatz bietet Blick auf Wasser und Berge. In die Halle passen schätzungsweise 700- 1000 Menschen hinein. Alle Generationen sind vertreten und die Halle wird im Laufe des Abends auch proppe voll. Um 1:00 Uhr ist Schluss. Und die Isländer gehen friedlich in großen Gruppen nach Hause, in die Ferienwohnungen oder auf die Aftershowparty. Dann endlich wieder ins Warme, nachdem sie seit 19:30 in der Kälte standen. Denn in der Halle ist es genau so kalt wie draußen und dort sind es etwa 5 Grad.
1980 gegründetes Festival zeitgenössischer Musik.
Das Festival war ursprünglich eine Plattform für isländische Komponisten, um ihre Arbeiten zu präsentieren, mittlerweile international ausgeweitet.
Elektronische Musik, Hip Hop, internationale und isländische Künstler.
Internationales Festival, u.a. In New York, London etc. seit 2013 auch in Reykjavik.
ÞJÓÐLAGAHÁTÍÐIN Á SIGLUFIRÐI Siglufjörður Folk Music Festival
Siglufjörður
5-tägiges Musikfestival, beginnt jedes Jahr am ersten Mittwoch im Juli.
Traditionelle isländische und skandinavische Volksmusik und Musik aller Welt sowie Tänze.
Traditionelle isländische Volksmusik sowie Musik aus Skandinavien und anderen nördlichen Ländern Europas. Konzerte und Tanz.
Blúsfélag Reykjavik Reykjavik Blues Festival
Reykjavik, Hilton Nordica
Bluesmusik von nationalen und internationalen Musikern.
16. bis 19.05.2019
Reykjavik Metalfest
Reykjavik
Isländische Bands der Heavy Metal Szene
Trailer
Film
Die Spalte zwischen Benefit und Distanz
„Warum fragen alle Menschen nach Natur und Landschaft? Wir haben unsere Songs an einem Ort geschrieben, an dem es gar keinen Winter gibt“. Das war die Aussage eines Bandmitgliedes der Band Sigur Ros, so gibt es Thorbjörg Daphne Hall wieder.
Thorbjörg Daphne Hall ist isländische Musikwissenschaftlerin. Sie forscht über die Idee eines isländischen Klanges in der Popularmusik im Hinblick auf die Identität der Isländer und dem Zusammenhang mit der Natur und der Landschaft.
Zu Beginn ihrer Forschungsarbeit fand Daphne die Entwicklung spannend, welche Erwartungen Menschen außerhalb von Island haben. Eben dass sie erwarten, dass Musiker von der Natur inspiriert seien. Thorbjörg empfindet diese Gedanken als einen fremden Einfluss, denn internationale Journalisten seien daran beteiligt, dass überhaupt über den Zusammenhang zwischen Musik und Natur gesprochen wird. Als Thorbjörg sich aber etwas mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hatte und sich angeschaut hatte, wie Musiker zu dem Thema Stellung nehmen, hat sie herausgefunden, dass isländische Musiker diese Erwartungen zum Vorteil gemacht haben.
Thorbjörg hat in den letzten Jahren mit Musikern gesprochen und sie über das Thema befragt. Jeder dieser Musiker wurde schon mit der Erwartung konfrontiert von der Natur beeinflusst und inspiriert worden zu sein. Die Musiker entwickelten unterschiedliche Strategien um auf die Frage der Journalisten zu reagieren. Einige der Musiker möchten den Interviewer nicht hängen lassen, um niemanden zu enttäuschen und sagen deswegen was zu dem Effekt. Einige Antworten mit Ironie, machen sich lustig über die Frage. Dies wird dann jedoch manchmal falsch übersetzt und als ernst gemeinte Aussage genommen. Manche der Musiker wollen sich stark davon distanzieren und verwenden in verschiedenen Situationen verschiedene Antworten.
Auf der anderes Seite erklärt Thorbjörg, gibt es jedoch viele Musikvideos, in denen die Band in der Landschaft oder nur die Landschaft zu sehen ist. Dort ist die Verbindung zwischen Musik und Natur sichtlich vorhanden. Menschen sehen diese Videos und erleben die Musik durch das Video. Somit ist der Zusammenhang vorhanden, nicht im direkten Klang. Aber Musik sei schließlich mehr als nur der Klang. Thorbjörg sieht darin auch das Problem, dass die Thematik eben nicht ganz klar und einfach ist. Und sie ist der Meinung, dass es auch kompliziert sein darf und niemand versuchen sollte eine festgenagelte Aussage zu treffen.
Zu welchem Zeitpunkt genau es angefangen hat, dass Journalisten nach dem Einfluss der Natur auf die Musik in Island suchen, kann Thorbjörg nicht sagen. Aber sie weis, dass als die Band ‚Sugarcubes‘ in den 80er Jahren bekannt wurden, verwendete sie viel Landschaft in ihren Musikvideos und die Sängerin der Band Björk, die heutzutage weltweit bekannt ist, hat Biel über den Einfluss und die Bedeutung der Landschaft auf sie gesprochen.
Thorbjörg hat sich nicht nur damit beschäftigt, ob die Natur ein Einfluss auf die Musik hat und wie Musiker mir dieser Erwartung umgehen, sondern wollte herausfinden, wodurch die Musik dann geformt ist. Schließlich ist sie zu der Erkenntnis gekommen, dass die Musikszene eher durch einen soziale Komponente geformt ist, als durch die Natur. In Island gibt es viel und guten Musikunterricht, im ganzen Land sind Musikschulen verteilt. Dadurch, dass so wenig Menschen in diesem Land leben, stehen sich die Menschen nah, sie arbeiten viel zusammen und es entstehen Freundschaften. In der Gesellschaft unterstützten sich die Menschen gegenseitig. Und Musikern ist es möglich sich bei der Regierung zu bewerben um finanziell unterstützt zu werden.
Auf die Frage, ob die Erwartungen von Journalisten und Personen außerhalb von Island einen schlechten Einfluss auf das Leben in Island und die Musiker nimmt, antwortet Daphne: „Schlechter Einfluss ist zu hart, aber diesen Zusammenhang zu erwarten und ihn als Vorteil zu nutzen, hat sein Limit. Ich befürchte, dass Menschen nicht offen sind, oder es immer weniger werden, für Musik, die absolut nicht in die Erwartungshaltung hineinpasst. Zu dem könnte dadurch ein versteckter Druck auf die Musiker entstehen, von dem sich die Musiker in ihrer kreativen Arbeit beeinflussen lassen. Es hat also definitiv einen Einfluss - positiv und negativ. Das ist fairer, als nur zu sagen, dass es eine schlechte Sache ist. Aber es ist problematisch.“
Die Dunkelheit der isländischen Vergangenheit
Svavar Knútur ist ein isländischer Singer-Songwriter. Songs schriebt er auf Isländisch und Englisch. Auf der Bühne steht er immer alleine. Denn er ist nicht nur Musiker, sondern auch Storyteller. Und möchte den nicht vorhandenen Bandkollegen das Warten ersparen, wenn er Geschichten erzählt. Seine Tourneen bringen ihn durch Island, Canada, die USA und Europa. Jedes Jahr ist er etwa drei Mal in Deutschland unterwegs.
In Deutschland fährt Svavar sehr gerne mit dem Zug. Den Rhein entlang fährt er besonders gerne. Einmal hatte er ein Konzert am Abend in Köln und war morgens noch in Düsseldorf. Nach kurzem Überlegen, was er mit seinem ganzen Gepäck unter dem Arm machen soll, hat er sich entschlossen, mit dem ICE nach Mainz zu fahren, dann dort in einer Bar ein Bier trinken zu gehen und dann den Weg wieder zurück nach Köln zu fahren. Mit einem strahlenden Gesicht kam er am Abend zum Konzert in Köln an. Zu seinen Konzerten nach Deutschland bringt er neben seinen Songs auch alte isländische Lieder und Sagen der Isländer mit.
Auch zu Hause erzählt er seinen Kindern die Geschichten von Elfen und Trollen. Die Sagen sollen den Kindern lehren respektvoll mit der Natur umzugehen. Denn Trolle sind ein Sinnbild für die Berge. Man sagt, dass man vorsichtig sein soll, wenn man in die Berge geht, denn die Trolle werden einen sonst umbringen. Und auf die Steine und die Pflanzen muss man ebenso aufpassen, denn für sie stehen die Elfen, die einen genauso umbringen können.
Svavar kennt keine lustigen Geschichten in Island, denn die Kultur sei dunkel, die Geschichten würden von Tod, Schmerz und Gewalt handeln. Aber die Geschichten würden auch von der Zeit berichten, die überstanden ist und davon, wie die Isländer sie überstanden haben. Sie hätten die Zeit überstanden mit Humor und der Kraft immer wieder aufzustehen und es nochmal probieren und nicht aufzugeben.
Die Vergangenheit beeinflusst Svavar und seine Musik. Er sagt, dass er damit aufgewachsen ist und auch das Scheitern und wieder aufstehen, spiegelt sich in der Musik wider. Svavar ist davon überzeugt, dass Musiker durch die isländische Vergangenheit ein Durchhaltevermögen hätten, um nach einem Rückschlag immer wieder aufzustehen und weiter zu machen.
Svavar ist auch der Meinung, dass auch die Musik der jüngeren Musiker die Dunkelheit und das Düstere hat. „In Island herrscht einfach ein Spirit, der ein Teil jeden Isländers und somit auch Musikers ist. Junge Musiker wissen wahrscheinlich nicht, warum sie diese Mentalität haben. Das müssen sie aber auch nicht. Denn das ist nicht das, womit sie sich täglich auseinandersetzten. Es ist vergleichbar mit einem Baum. Jeder Mensch kann einen Baum anschauen. Ein Biologe sieht den biologischen Aufbau und den Ursprung. Aber trotzdem kann eine normale Person sagen, dass es ein schöner Baum ist. Ich bin eben wie ein Biologe – nur eben in der isländischen Geschichte. Ich schaue mir die Wurzeln an.“
Islands Musikgeschichte leidet nach wie vor unter dem Vorurteil, dass sie sehr jung sei. Doch, dem ist nicht so. Das behauptet zumindest Gunnstein Ólafsson. Er sagt, dass die ersten Besiedler Islands ihre Musik mitgebracht haben. Somit gibt es seit der Besiedlung Islands Musik in dem Land. Die Musikgeschichte wurde nicht aufgeschrieben, deswegen wissen die Isländer sehr wenig über ihre musikalische Vergangenheit. Sie wissen aber, dass es wenig Instrumente gab. Aber gesungen wurde immer – Volksmusik.
244 Menschen leben insgesamt in dem Örtchen Thingeyri, an Ostersonntag kommt die Gemeinde zusammen und frühstückt gemeinsam nach dem Ostergottesdienst. Da kann auch noch ihr Musiker dabei sein, bevor er nach dem Frühstück in das nächste Örtchen muss um am Nachmittag ein Konzert zu spielen - in einer Kapelle, in die etwa 10 Menschen hineinpassen.
Der Musiker heißt Jóngunnar Biering Margeirsson. Er wird aber von allen Nonni genannt. Er ist in Island geboren und aufgewachsen. Musik hat er an der Universität in Reykjavík studiert und ist danach zurück in die Westfjorde gezogen. Weil es dort Friedlich ist und er dort Freiheit erlebt. Er fühlt sich dort völlig anders, als in einer Stadt. Er liebt einfach das Gefühl dort zu leben und diese kleine Community um sich herum zu haben. Sein Geld verdient er als Musiker und als Musiklehrer. Er gibt selber Konzerte mit seiner eigenen Musik, spielt bei Gottesdiensten mit der Gitarre, Leitet mehrere Chöre und Unterrichtet Musikinstrumente und Musiktheorie am Nachmittag in der Musikschule.
Ein Problem in Island, womit er, aber auch viele der Musiker in Island, zu kämpfen hat, ist das es dort so wenige Menschen gibt, wie Nonni sagt. „Man gibt drei Konzerte für seine Eltern und Freunde, spielt dann vielleicht noch beim Festival in Isafjördur, aber das wars. Sonst ist da niemand. Und du kannst nicht in der nächsten Woche einfach noch mal eine Konzertrunde machen, weil jeder deine Stücke schon gehört hat. Da kommt keiner noch mal. Also gehen viele Menschen nach Europa oder in andere Länder, um professionell von der Musik leben zu können.“
Und ein weiteres Problem, von dem Nonni berichtet, ist, dass es sich nicht wirklich lohnt Agenturen zu gründen oder Manager zu beschäftigen. Die Isländer helfen und unterstützen sich untereinander sehr viel. Aber um Konzerte und Tourneen zu organisieren, gibt es nicht genug Arbeit für jemanden anders. „Es kommt also oft vor, dass ich bei einem Pub oder bei dem Konzerthaus Harpa anrufe und sage: ‚Hey, ich möchte gerne für ein Konzert buchen für mich selber. Wie viel kostet es?‘. Das müssen wir alle für uns selber machen.“ Man ist also nicht nur Musiker, sondern auch noch Organisator und Manager. „Wir schreiben dann E-Mails, in denen wir in der dritten Person über uns selber sprechen. Ganz nach dem Motto: Nonni hat letzte Woche dieses exzellente Konzert gespielt. Hätten Sie Interesse, dass er auch bei Ihnen spielt?“
Islandklang „Die Sound DNA einer Insel – auf der Suche nach dem Klang Islands“